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Aufbruchstimmung bei dapd

Sonntag, 10. Oktober 2010

Die Nummer 2 auf dem deutschen Nachrichtenmarkt eröffnet ihre neue Zentrale in Berlin, bietet künftig auch Sport an und positioniert sich als Vollagentur auf Augenhöhe mit dpa

Zumindest mit der offiziellen Eröffnungsparty ihrer neuen Zentrale hat die dapd nachrichtenagentur ihren Anspruch, der etablierten dpa auf Augenhöhe zu begegnen, eingelöst. Am Zuspruch der politischen Prominenz mangelte es jedenfalls nicht bei der “Open House”-Party in der Berliner Reinhardtstraße. Unter den rund 500 Gästen fanden sich Bundespräsident Christian Wulff, die Bundesminister Guido Westerwelle, Ursula von der Leyen, Peter Ramsauer und Philipp Rösler, Linken-Chef Klaus Ernst und der DGB-Vorsitzende Michael Sommer ein.

Die dapd-Gruppe ging aus der Nachrichtenagentur ddp und dem deutschen Dienst der Associated Press (AP) hervor und bietet seit September den gemeinsamen Dienst an. Man hat sich viel vorgenommen: Mit dem Start eines Sportdienstes im April wird dapd endgültig zur Vollagentur. Auch mit anderen Produkten, teils außerhalb des klassischen Kerngeschäfts von Nachrichtenagenturen, will dapd Marktanteile gewinnen. Die Rahmenbedinungen sind klar: “Aktuelle Bedrohungen sind die starken Einbrüche in den Einnahmen der meisten Tages- und Wochenzeitungen und die Veränderungen durch das Internet”, schreiben die dapd-Gesellschafter Peter Löw und Martin Vorderwülbecke in ihrem Grußwort. “In dieser Situation hat sich die dapd nachrichtenagentur entschieden, den Weg nach vorne zu gehen und in Journalismus, Technik und Menschen zu investieren.”

Innovative Produkte sollen Marktanteile bringen

Von “teils nie dagewesenen Angeboten” für Zeitungen, Sender und Portale spricht Chefredakteur Cord Dreyer in einem Interview, das im Programmheft zur Büroeröffnung abgedruckt wurde. Dazu zählt, dass die dapd-Dienste als Reaktion auf den Wandel des Nachrichtenmarktes auch als Webcontent für Onlinemedien bezogen werden können. Als einzige Nachrichtenagentur habe man sechs Journalisten eingestellt, die für einen neuen Dienst namens “Sources” exklusive Inhalte “abseits des tagesaktuellen Termindrucks” liefern sollen. Mit “Sources” unterhält dapd neben den klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft, Panorama, Kultur und künftig Sport auch ein eigenes Ressort für investigative Recherche.

Ebenfalls eher ungewöhnlich im Portfolio einer Nachrichtenagentur ist ein – bisher allerdings von dapd sehr selektiv eingesetzter – Kommentardienst. Ein verlässliches Standbein dürften die Auslandsnachrichten sein, denn dapd kann auf das Angebot des Weltmarktführers AP zurückgreifen. „Die 3000 Korrespondenten der AP betrachten wir als Teil unseres Teams“, sagt Dreyer. Als Schlüssel zum Erfolg gilt dem Agenturchef auch ein sehr intensiver Kundendialog, der den Abonnenten die Möglichkeit gibt, über das Themenprogramm von dapd mitzubestimmen.

dapd-Chefredakteur Cord Dreyer ©dapd nachrichtenagentur

Offensive mit bewegten Bildern

Mit seinem Bewegtbild-Angebot, das von der dapd video GmbH mit Sitz in Leipzig gesteuert wird,  kann dapd in die Offensive gehen. Durch Kooperationen mit CNN und den TV-Diensten von AP und Dow Jones wird hochwertiges Videomaterial aus der ganzen Welt für die dapd-Kunden verfügbar gemacht. Die Partner sollen monatlich rund 2.500 Produktionen bereitstellen, wie der Branchendienst „Kress.de“ berichtet. Zudem beschäftige dapd 15 eigene Videojournalisten sowie zehn Redakteure in der Leipziger Video-Zentrale an. Mit jedem neuen Nutzer des mobilen Internets wachse auch der Bedarf an hochwertigen Bewegtbild-Inhalten, wird der für diesen Bereich zuständige Geschäftsführer Wolfgang Zehrt bei „Kress.de“ zitiert. 

Bundespräsident Christian Wulff beim open house der dapd nachrichtenagentur ©dapd nachrichtenagentur GmbH

Peinliche Panne trübt die Party

Am Tag nach der Party wich die Feierlaune schnell, als dapd eine peinliche Falschmeldung verbreitete. “Würth-Gruppe verlegt Konzernsitz in die Schweiz”, hieß es unter Berufung auf eine Unternehmenssprecherin. Die Agentur kündigte das volle Programm mit Nachrichtenfeature, Porträt und Reaktionen an, musste ihre vermeintliche Exklusivstory aber bald darauf zurückziehen.

Kein Journalist ist vor solchen Pannen gefeit, aber der Zeitpunkt unmittelbar nach dem öffentlichen Bekenntnis zum Qualitäts-journalismus war denkbar unglücklich. Auch die Aufarbeitung des Fehlers geriet mit dem Hinweis, man habe sich von einer freien Mitarbeiterin getrennt, nicht überzeugend. „Diskutieren lässt sich (…), ob der dapd abseits seines bisherigen Kerngeschäfts nicht vielleicht zu schnell wächst und deshalb inhaltlich an seine Grenzen stößt“, schreibt Daniel Bouhs dazu im “Tickerblog” des Medienportals „meedia.de“. Den Beweis für seine Aussage, die ddp-Redaktion habe sich “in den vergangenen Jahren die strengsten Qualitätsmaßstäbe der Branche zu eigen gemacht”, muss dapd-Chef Dreyer nun jedenfalls mehr denn je antreten.

Quellen:
Pressemitteilung zur Eröffnung der dapd Nachrichtenzentrale
Kress.de zum Bewegtbildangebot der dapd nachrichtenagentur
Beitrag von Daniel Bouhs zur Panne bei dapd